Vorschau:

FototechnikA - ein erweitertes Symposium im Rahmen der Foto Wien, im März 2022

Fototechnik ist schwierig, schwer und schmutzig, daher männlich. Handbücher zur Fototechnik sind männlich. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel – technikaffine Fotografinnen sind die Protagonistinnen und Themen des Symposiums mit Vorträgen und künstlerischen Präsentationen von Caroline Heider, Ruth Horak, Ulrike Matzer, Lisa Rastl, Claudia Rohrauer und Anne Vitten.

Caroline Heider liest fotografische Anleitungen (Jost Marchesi, Band 3

Caroline Heider

Caroline Heider arbeitet seit 2010 an einem Lexikon der fotografischen Begriffe und untersucht die Übernahme analoger fotografischer Techniken in das Digitale. Ihre Arbeiten drehen sich um die Sichtbarmachung der Foto­grafie als erfolgreiches Mittel zur Konstruktion menschlicher Kommunikation und Genderfragen bezogen auf die Fototechnik. Dieses langfristige und fortlaufende Projekt trägt den Titel Fotografie zum Zeitvertreib, angelehnt an eine Anleitung zum Fotografieren aus dem Jahr 1895 von Hermann Schnauss. 

Am Symposium wird sie Bildmaterial aus fotografischen Anleitungen präsentieren, in welchen sie die Objektivierung des weiblichen Körpers in technikaffinen Veröffentlichungen untersucht. 

Abb.: Caroline Heider liest James Monaco Aufnahmetechnik und Beleuchtung,  Band 3. 

 

Lisa Rastl, Mattscheibe 3, 2019

Lisa Rastl: Re-produzieren – ein performatives Setting

Eine rhythmische, sich wiederholende Handlung, eine monotone Arbeit... eine Vorlage wird auf dem Tisch platziert, das Licht ein­gestellt, die Kamera adjustiert, der Arbeitsfluss wird unterbrochen durch das helle Aufblitzen der Lichter, wenn sich die Blende der Kamera öffnet und das Abbilden der Vorlage im gegenwärtigen Augenblick dargestellt wird. Handelt es sich hierbei um einen schöpferischen Akt? Ist der Qualitätsverlust zum Original sichtbar? Oder entsteht vielmehr ein neues „Original“?

Das neu entstandene Abbild wird ausgedruckt und wiederum re­produziert, so lange, bis ein deutlicher Farbverlust wahrnehmbar ist und sich die Abbildung per Definition entscheidend vom Original unterscheidet und somit einem hohen „Schöpfungsgrad“ unterliegt.

Für das Symposium wird ein solches Live-Setting eingerichtet und der Akt des Reproduzierens performativ dargestellt.

Caroline Heider liest fotografische Anleitungen (Jost Marchesi, Band 3

Claudia Rohrauer: Performative Lesung

Die amerikanische Fotografin Berenice Abbott beschäftigt Claudia Rohrauer seit 2016, als sie sich in der Arbeit „legitimating a view (slanted perspectives on Berenice Abbott’s file no.254) einem Bild aus deren Hauptwerk „Changing New York“ annäherte. 

Für das Symposium wird eine performative Lesung konzipiert, die sich mit Abbotts Vermittlungstätigkeit als Lehrende auseinandersetzt und anhand des Buchs „A guide to better photography“ Abbotts Art, fototechnisches Wissen zu vermitteln, untersucht. Dabei steht deren sprachlicher Duktus im Fokus, der sich markant von klassischen Lehr- und Handbüchern unterscheidet. So verknüpft sie trockene technische Grundlagen mit den persönlichen- und somit auch emotionalen-Motiven, welche Fotograf*innen antreiben den Auslöser zu drücken oder unterstreicht das körperliche Verhältnis, das beim künstlerischen Prozess im handwerklichen Umgang, beim Blick durch die jeweilige Kamera entsteht. Daraus entstehen mitunter extrem leidenschaftliche und poetische Textpassagen, in denen sich ein Verständnis der eigenen fotografischen Haltung aus der Technik heraus ergibt. Während in der klassischen Lektüre häufig die technische Perfektion als Hauptkriterium für ein perfektes Bild dargestellt wird, findet sich in „A guide to better photography“ eine Anleitung zur Entwicklung einer fotografischen Haltung, die sich aus dem Meistern der Technik speist. Diese Poesie, die zwischen den Zeilen der Publikation zu finden ist, wird in der performativen Lesung sichtbar gemacht. 

© bei den Herausgeberinnen Caroline Heider, Ruth Horak, Lisa Rastl, Claudia Rohrauer